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Ratgeber

Gemafreie Musik – und was bei Veranstaltungen wirklich zählt

Kurz beantwortet

Gemafrei heißt: Die GEMA verwaltet die Rechte an diesem Titel nicht, weil der Urheber sie ihr nicht übertragen hat. Gemafrei heißt nicht kostenlos – lizenziert wird trotzdem, nur direkt beim Anbieter. Für Veranstaltungen mit Liveband ist das meist der falsche Ansatzpunkt: Sobald eine Band bekannte Titel spielt, ist die Musik GEMA-pflichtig, und anmelden muss der Veranstalter, nicht die Band.

Das Wichtigste vorab

  • Gemafrei ≠ kostenlos und ≠ gemeinfrei. Drei verschiedene Dinge.
  • Sobald bei einer öffentlichen Veranstaltung Werke aus dem GEMA-Repertoire gespielt werden, ist grundsätzlich eine entsprechende Lizenz erforderlich.
  • In vielen Fällen ist der Veranstalter für Anmeldung und Lizenzierung verantwortlich; abweichende vertragliche oder organisatorische Regelungen sollten vorab geklärt werden.
  • Entscheidend ist nicht die Gästezahl, sondern ob die Gäste persönlich miteinander verbunden sind.

Hinweis: Dieser Text ist eine Orientierung und keine Rechtsberatung. Er nennt seine Quellen, damit du sie prüfen kannst. Im Zweifel hilft die GEMA selbst weiter oder eine auf Urheberrecht spezialisierte Kanzlei.

Die drei Begriffe, die ständig verwechselt werden

BegriffWas er bedeutetWas er kostet
GemafreiDer Urheber hat die Rechte nicht an die GEMA übertragen und lizenziert selbst.meist Geld – nur eben direkt beim Anbieter statt über die GEMA
GemeinfreiDie Schutzfrist ist abgelaufen: 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers.nichts für die Komposition – die konkrete Aufnahme oder Bearbeitung kann aber eigenen Schutz haben
LizenzfreiEin Werbebegriff ohne feste Bedeutung. Gemeint ist meist eine einmalige Zahlung statt laufender Gebühren.unterschiedlich – die Lizenzbedingungen lesen

Der häufigste Irrtum steckt im ersten Wort: Gemafreie Musik ist nicht gratis. Sie ist Musik, deren Rechte über einen anderen Weg als die GEMA lizenziert werden. Für Filmproduktionen, Werbespots, Warteschleifen und YouTube-Videos ist das oft der praktischere Weg. Für eine Feier mit Liveband ist es fast nie relevant.

Warum gemafreie Musik bei einer Liveband selten hilft

Eine Band, die für eine Veranstaltung gebucht wird, spielt in aller Regel bekannte Titel – ob als Coverband, Partyband oder Jazzbesetzung. Diese Titel sind von ihren Urhebern bei der GEMA angemeldet. Dass sie live gespielt statt abgespielt werden, ändert daran nichts.

Ein rein gemafreies Programm wäre theoretisch möglich, praktisch aber das Gegenteil dessen, wofür Livemusik gebucht wird: Der Wert einer Band auf einer Feier liegt darin, dass die Gäste die Titel kennen. Wer die GEMA umgehen will, indem er nur unbekannte Musik spielen lässt, hat das Problem gelöst und den Anlass verloren.

Dazu kommt die sogenannte GEMA-Vermutung: Die GEMA geht zunächst davon aus, dass bei öffentlicher Musiknutzung vergütungspflichtige Werke gespielt werden. Wer ausschließlich gemafreie Musik einsetzt, muss das konkret nachweisen – die Nachweislast liegt beim Veranstalter, nicht bei der GEMA.

Wer anmeldet und wer zahlt

Zuständig ist, wer die Musik öffentlich wiedergibt – also der Veranstalter. Nicht die Band, nicht der DJ, nicht die Location. Das überrascht viele, weil die Band die Musik ja tatsächlich spielt; rechtlich zählt aber, wer die Veranstaltung durchführt.

Die Anmeldung erfolgt vor der Veranstaltung, in der Regel online, mit Angaben zu Art der Veranstaltung, Ort, Eintrittspreis und erwarteter Besucherzahl. Wer die Anmeldung unterlässt, riskiert Nachzahlungen und zusätzliche Kosten. Konkrete Beträge stehen hier bewusst nicht: Sie hängen vom einschlägigen Tarif, der Raumgröße und dem Eintrittsgeld ab, und eine gerundete Zahl wäre an dieser Stelle eher irreführend als hilfreich. Die aktuellen Tarife stehen bei der GEMA selbst.

Wann eine Feier als öffentlich gilt

Das ist die Frage, an der alles hängt. Maßgeblich ist § 15 Abs. 3 des Urheberrechtsgesetzes: Eine Wiedergabe ist öffentlich, wenn sie für eine Mehrzahl von Mitgliedern der Öffentlichkeit bestimmt ist. Das Unterscheidungsmerkmal ist die persönliche Verbundenheit der Anwesenden – nicht ihre Zahl.

Sind alle Gäste persönlich miteinander verbunden? ja nein In der Regel nicht öffentlich Hochzeit, Geburtstag, Taufe im Familien- und Freundeskreis Keine GEMA-Meldung durch den Veranstalter Öffentlich offener Gästekreis, beworbene Veranstaltung – oder Betriebsfeier Veranstalter meldet an vor der Veranstaltung, online
Orientierung, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist nach § 15 Abs. 3 UrhG, ob die Gäste persönlich miteinander verbunden sind – nicht ihre Anzahl. Betriebsfeiern hat der Bundesgerichtshof als öffentlich eingeordnet. Alle Angaben ohne Gewähr.

Was die Gerichte daraus gemacht haben

  • Eine Hochzeit mit rund 600 Gästen wurde als privat eingestuft, weil die Gäste Familie, Freunde und Bekannte des Paares waren – die Zahl allein macht eine Feier also nicht öffentlich.
  • Eine Party mit 83 Gästen galt als öffentlich, weil sie breit beworben worden war und die Gäste untereinander nicht verbunden waren.
  • Betriebsfeiern hat der Bundesgerichtshof als öffentlich eingeordnet. Das ist der Punkt, der Firmen regelmäßig überrascht – die Belegschaft eines Unternehmens gilt nicht als persönlich verbundener Kreis.

Für die Praxis heißt das grob: Eine Hochzeit oder ein runder Geburtstag im Familien- und Freundeskreis ist in der Regel keine öffentliche Veranstaltung. Eine Firmen- oder Weihnachtsfeier, ein Stadtfest, ein Vereinsfest mit offenem Zugang und alles, wozu öffentlich eingeladen wird, ist es. Je offener der Teilnehmerkreis, desto eher fällt die Veranstaltung darunter.

Was das für deine Planung bedeutet

  1. Kläre zuerst, ob die Veranstaltung öffentlich ist. Davon hängt alles Weitere ab – nicht davon, welche Musik gespielt wird.
  2. Ist sie öffentlich, melde sie vor dem Termin an. Nachträglich ist es teurer und unangenehmer.
  3. Erwarte nicht, dass die Band das übernimmt. Sie kann dir sagen, was sie spielt; anmelden musst du.
  4. Frag die Location. Manche Häuser haben einen Gesamtvertrag, der bestimmte Nutzungen abdeckt – das spart im Einzelfall die eigene Meldung.
  5. Rechne die Gebühr ins Budget ein, nicht in die Bandgage. Es sind zwei getrennte Posten, und die Band hat auf den einen keinen Einfluss.

Häufige Fragen

Was bedeutet gemafreie Musik?

Dass die GEMA die Rechte an diesem Titel nicht verwaltet, weil der Urheber sie ihr nicht übertragen hat. Lizenziert wird trotzdem – direkt beim Anbieter. Gemafrei heißt also nicht kostenlos, sondern nur: nicht über die GEMA.

Muss ich für meine Hochzeit GEMA zahlen?

In der Regel nicht. Eine Hochzeit im Familien- und Freundeskreis gilt üblicherweise nicht als öffentliche Veranstaltung, weil die Gäste persönlich miteinander verbunden sind. Ein Gericht hat das sogar für eine Feier mit rund 600 Gästen so gesehen. Sicherheit gibt im Zweifel nur eine rechtliche Prüfung des Einzelfalls.

Und bei der Firmenweihnachtsfeier?

Dort sieht es anders aus: Der Bundesgerichtshof hat Betriebsfeiern als öffentliche Veranstaltungen eingeordnet. Die Belegschaft eines Unternehmens gilt nicht als persönlich verbundener Kreis. Eine Anmeldung ist hier also zu erwarten.

Zahlt die Band die GEMA-Gebühr?

Nein. Anmelde- und zahlungspflichtig ist, wer die Musik öffentlich wiedergibt – der Veranstalter. Dass die Band die Titel spielt, ändert daran nichts.

Kann ich die GEMA umgehen, wenn die Band nur gemafreie Musik spielt?

Theoretisch ja, praktisch fast nie sinnvoll. Erstens gilt die GEMA-Vermutung: Du müsstest konkret nachweisen, dass ausschließlich gemafreie Titel gespielt wurden. Zweitens lebt Livemusik auf Feiern davon, dass die Gäste die Songs kennen – ein rein gemafreies Programm löst das Kostenproblem und verfehlt den Zweck.

Ist klassische Musik automatisch gemafrei?

Nein, aber viele Kompositionen sind gemeinfrei: 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers erlischt der Schutz. Bach, Mozart und Beethoven fallen darunter. Achtung – eine konkrete Aufnahme oder eine moderne Bearbeitung kann trotzdem eigenen Schutz genießen.

Quellen

Stand der Angaben: Stand 2026. Rechtsprechung und Tarife ändern sich – wenn dir hier etwas veraltet erscheint, sag uns bitte Bescheid. Allen Angaben ohne Gewähr.

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